Was Sie schon immer über moderne Wohnraumlüftung wissen wollten

Warum kontrollierte Wohnungslüftung? Wie funktionieren moderne Lüftungsanlagen? Was kostet Wohnraumlüftung? Hier finden Sie die Antworten.

Von Janine Schmidt

Frische, gesunde Luft, Tag und Nacht, ohne Aufwand – dafür sorgt moderne Wohnungslüftung. Sie schützt unsere Gesundheit und die unserer Kinder. Durch intelligente Frischlufttechnik kann wertvolle Heizenergie gespart werden. Wohnungslüftung von heute sichert die Bausubstanz vor Schimmelbefall und erhält den Wert der Immobilie. Zudem sorgt sie bei geschlossenen Fenstern für Einbruchschutz. Auch Straßenlärm bleibt draußen. Die kompakte Technik der modernen Wohnungslüftung gibt es für jeden Geldbeutel, für das gesamte Haus oder für einzelne Räume – sowohl im Altbau als auch im Neubau. Gesunde Raumluft ist unser Lebenselixier.

Warum kontrollierte Wohnraumlüftung?

Häuser werden heute gut „eingepackt“: Lückenlose Wärmedämmung, mehrfach isolierte Fenster und eine dichte Gebäudehülle sind beim Neubau Standard. Allerdings haben diese Effizienzmaßnahmen einen Haken: Das Haus kann nicht mehr atmen, feuchte Luft bleibt eingeschlossen. Früher entwich ein Teil der verbrauchten Luft automatisch durch undichte Fenster oder Ritzen, heute erfordert das Wohnen unter einer „Käseglocke“ hohe Anstrengungen beim Lüften per Hand. Wenn dies nicht mehrmals täglich für mehrere Minuten bei komplett geöffneten Fenstern geschieht, drohen Bau- und Gesundheitsschäden. Die Fensterlüftung per Hand führt jedoch Effizienzmaßnahmen ad absurdum: Zunächst wird viel Geld für die Hausverpackung in die Hand genommen, dann wird es im Zuge des notwendigen Luftaustauschs als warme Luft „aus dem Fenster geschmissen“. Ganz zu schweigen von den ausgekühlten Räumen, die erneut temperiert werden müssen. Dagegen lässt eine intelligente, mechanische Wohnungslüftung Neu- und Altbauten energiesparend aufatmen.

Was ist moderne Wohnungslüftung?

Mindestens alle drei Stunden sollte die Wohnungsluft komplett ausgetauscht werden, empfiehlt der Bund der Energieverbraucher. Von einer Lüftung mit gekippten Fenstern rät er ab. Ein ausreichender Luftwechsel ist auf diese Weise nicht möglich. Zudem kühlen die Wände stark ab. Bei der Querlüftung, also dem Öffnen gegenüberliegender Fenster und Türen, sind zwei bis drei Minuten pro Lüftungsvorgang notwendig, um den nötigen Luftaustausch zu erreichen. Bei der Stoßlüftung, der Öffnung des Fensters bei geschlossener Tür, fünf bis sieben Minuten. Je kälter die Außentemperatur, desto kürzer sollte gelüftet werden. Bei Windstille länger, bei Wind weniger, vorausgesetzt der Wind kommt aus der richtigen Richtung. Alles per Hand. Drei bis vier Mal täglich. Klingt kompliziert, ist es auch. Das weiß jeder, der herkömmliche Fensterlüftung praktiziert. In unseren Arbeitsalltag lässt sich diese althergebrachte Lüftungsart kaum noch integrieren.

Kontrollierte Wohnraumlüftung jedoch funktioniert, ohne einen Finger zu rühren. Sie entlastet den Menschen und sichert den Immobilienwert. Durch regulierbare Öffnungen in der Gebäudehülle strömt genau so viel Luft ein und aus, wie es nötig ist, um die Bausubstanz und die Gesundheit der Bewohner nachhaltig zu schützen. Wärmetauscher können die wertvolle Energie aus der Raumluft an die einströmende Luft abgeben.

Wie funktioniert kontrollierte Wohnraumlüftung?

Für alle Anforderungen gibt es eine Vielzahl von Systemen. Die Anlagen funktionieren im Prinzip gleich: Mit einem kompakten Ventilatorensystem werden die verbrauchte Raumluft und mit ihr Feuchtigkeit, Schadstoffe und Gerüche abgesogen. Es entsteht ein leichter, für den Menschen nicht spürbarer Unterdruck. Frische, oft gefilterte Luft strömt von außen nach. Dieser Luftwechsel wird automatisch vollzogen, das Fenster bleibt zu. Die Lüftungsanlagen lassen sich relativ einfach und unauffällig in das Wohndesign integrieren.

Dezentrale Wohnraumlüftung für jedes Heim

Experten unterscheiden zwischen dezentraler und zentraler Wohnungslüftung. Dezentrale Anlagen werden in einzelnen Räumen unabhängig voneinander, meist in der Gebäudeaußenhülle, installiert. Der Eingriff in die Bausubstanz ist gering und somit für jede Wohnung geeignet. Dieser Anlagentyp kann mit einer sogenannten Wärmerückgewinnung versehen werden: Die Wärmeenergie der abgesogenen Raumluft wird mittels eines Wärmetauschers zur Erwärmung der frischen Außenluft genutzt. Alternativ können die Lüftungsöffnungen von dezentralen Anlagen ohne Wärmerückgewinnung so platziert werden, dass die frische Außenluft an der Heizung vorbeiströmt und erwärmt wird.

Zentrale Wohnraumlüftung für Neubau und Altbau

Bei zentralen Anlagen zur kontrollierten Wohnraumlüftung wird die gesamte Belüftung bzw. Entlüftung des Hauses von einem zentralen Ort im Haus geregelt. Das Herz der Anlage findet meist im gedämmten Dachboden, Keller oder auch in einem Küchenschrank Platz. Von dort sind alle Wohnräume durch ein Rohrsystem verbunden. Der Eingriff in die Bausubstanz ist größer als bei dezentralen Systemen. Deshalb sollte beim Neubau eine zentrale Wohnungslüftung gleich von Anfang an mitgeplant werden. Für Sanierungen im Altbau ist die zentrale Wohnungslüftung ebenso geeignet. Auch hier gibt es Anlagen mit und ohne Wärmerückgewinnung. Durch die zentrale Steuerung können zentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung besonders effizient die Wärme aus der Abluft zurückgewinnen. Heizkostenersparnisse von 30 bis 50 Prozent sind möglich.

Individuelle Wünsche erfüllen durch Erweiterungen

Anlagen der modernen Wohnungslüftung sind auch mit Komponenten zur Feuchterückgewinnung erhältlich. Was paradox klingt, macht zu manchen Jahreszeiten Sinn: Die Feuchte soll eigentlich aus dem Gebäude hinaus, im Winter jedoch kann die Raumluft unangenehm trocken werden. Dann nutzen besondere Geräte die Feuchte der Abluft zur Feuchteanreicherung der Zuluft. In heißen Sommermonaten können andere Gerätetypen die zugeführte Luft abkühlen und für angenehme Frische sorgen.

Welche Vorteile hat moderne Wohnungslüftung?

Wir brauchen gesunde, sauerstoffreiche Luft, um leistungsfähig zu bleiben und in Erholungsphasen Kraft zu schöpfen. Rund 80 Prozent unserer Zeit verbringen wir in geschlossenen Räumen. Sauerstoffarme Luft macht müde und senkt die Konzentrationsfähigkeit. Dicke Luft bemerken wir erst, wenn wir uns schon abgespannt fühlen. Durch den konstanten Eintrag von sauerstoffreicher Luft lässt uns kontrollierte Wohnungslüftung aufatmen. Aber nicht nur verbrauchte Luft wird abgeführt, sondern auch durch Bau- und Betriebsstoffe belastete Raumluft: Schädliche Lösungsmittel in der Wandfarbe oder Ausdünstungen von neuen Teppichen und Möbeln sind häufig geruchsarm, können aber Kopfschmerzen und Allergien auslösen. Spezielle Filtereinsätze sind in der Lage, gesundheitsgefährdende Abgase, Pollen und (Fein-)Staub draußen zu halten. Kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt also auch für ein gesundes Raumklima.

Kontrollierte Wohnraumlüftung verhindert Schimmel

Allein in der Nacht stößt der Mensch bis zu 1,5 Liter Wasser durch seine Atemluft aus. Auch Kochen, Duschen und Waschen verursachen feuchte Raumluft – ein perfekter Nährboden für Schimmel. Pilze entstehen an schlecht belüfteten Stellen und an Raumecken mit sogenannten Wärmebrücken. Hier kondensiert die feuchte Luft besonders stark und bietet Schimmelpilzen ein optimales Wachstumsmilieu. Schimmel durch Fensterlüftung per Hand zu vermeiden, ist oftmals unmöglich. Und Badezimmer und Küchen haben nicht immer Fenster. Schimmel ist hochgradig gesundheitsgefährdend. Auch die Bausubstanz wird durch Schimmel in hohem Maße angegriffen. Moderne Wohnungslüftung verhindert die gefährliche Schimmelbildung. Sie tauscht kontinuierlich die feuchte Raumluft aus – Tag und Nacht. So schützt die kontrollierte Wohnungslüftung die Gesundheit der Bewohner sowie den Wert der Immobilie nachhaltig.

Moderne Wohnraumlüftung spart Energie und schützt das Klima

Fast 70 Prozent des Energieverbrauchs der Haushalte fallen auf die Wärmeenergie. Effizienzmaßnahmen bei der Raumwärme wirken sich daher besonders stark aus. Die Preise für Heizenergie sind in den letzten Jahren nicht gefallen – Wärmeenergie einsparen, heißt somit bares Geld sparen. Mit kontrollierter Wohnraumlüftung geht beides: Der Geldbeutel wird geschont, ohne auf ein warmes Heim zu verzichten. Während bei der herkömmlichen Fensterlüftung per Hand teure Heizenergie aus dem Fenster geschmissen wird, sorgt moderne Wohnungslüftung für eine kontinuierliche Zufuhr vorgewärmter Frischluft: Wärmetauscher können die wertvolle Heizwärme auf die Frischluft übertragen. Somit leistet kontrollierte Wohnraumlüftung auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Denn Wärmeenergie basiert in Deutschland immer noch zu einem hohen Prozentsatz auf fossilen Rohstoffen. Moderne Wohnungslüftung hilft, Wärmeenergie einzusparen und CO2-Emissionen zu vermeiden.

Wieviel kostet kontrollierte Wohnraumlüftung?

Bei der Investitionsentscheidung sollte die Bauherrin oder der Bauherr den Wert der Familiengesundheit sowie den Schutz seiner Immobilie berücksichtigen. Die Investitionskosten für die verschiedenen Systeme der kontrollierten Wohnungslüftung variieren je nach Anlagentyp, Installationsort und individuellen Wünschen. Moderne Wohnungslüftung ist eine ausgereifte Technik und schon seit vielen Jahren auf dem Markt. Der Verbraucher investiert in eine Anlage, die auch eine Wertsteigerung seiner Immobilie bedeutet. Folgende Richtwerte sollen eine Ersteinschätzung der Investitionskosten ermöglichen (Stand 2016):

Investitionskosten

Abluftanlage ohne Wärmerückgewinnung: ca. 17 bis 25 Euro/m² Wohnfläche
Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung: ca. 45 bis 65 Euro/m² Wohnfläche

Jährliche Betriebskosten

Bei einer 150 m² großen Wohnung und einem Strompreis von 25 Cent/kWh:
Abluftanlage ohne Wärmerückgewinnung: ca. 65 Euro
Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung: ca. 120 Euro

Diesen Aufwendungen steht bei Frischlufttechnik mit Wärmerückgewinnung eingesparte Heizenergien in Höhe von 3.000 bis 4.000 kWh gegenüber. Bei einem Wärmepreis von 10 Euro-Cent/kWh entspricht dies einer Ersparnis von jährlich rund 350 Euro1.

Die Investitionskosten für eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung betragen zwischen ca. 6.000 und 12.000 Euro pro Wohnung. Auch Wartungskosten fallen an. Sie beschränken sich aber meist auf rohr- und filterreinigende Maßnahmen2.